Online-Rollenspiel-Tutorial für Anfänger
Einleitung
Für Spieler, die das erste mal an einem Chat- oder Foren-RPG teilnehmen, ist es oft recht schwer, sich zurecht zu finden und mit erfahreneren Mitspielern mit zu halten, was oft innerhalb der Online-Spielgruppe zu Problemen führen kann.
Dieses Tutorial soll Online-Rollenspiel-Anfängern dabei helfen, sich leichter und schneller zurecht zu finden und einen Großteil der Fragen und Probleme zu lösen.
Was ist Rollenspiel?
Die wohl bekanntesten Rollenspiele sind Dungeons and Dragons, Das schwarze Auge oder World of Darkness. In einem Rollenspiel schlüpft der Spieler in die Rolle des von ihm kreiertem Charakters und taucht damit in eine fiktive Welt als völlig andere Person (oder auch Wesen) ein. Ähnlich wie die Schauspieler in Filmen und Serien.
Als das Internet geboren wurde, wurden auch die Online-Rollenspiele erschaffen. Diese funktionieren fast genauso wie „normale“ Rollenspiele, nur mit dem Unterschied, das man allein vor seinem PC sitzt und nicht im Wohnzimmer mit seiner Spielergruppe.
Das Regelwerk
Grundlage eines jeden Rollenspieles ist das Regelwerk. Das Regelwerk gibt die Rahmenbedingungen des Rollenspiels vor. Bei normalen Rollenspielen werden die Regelwerke oft nur als eine Art „Leitfaden“ angesehen und werden den Bedürfnissen der Spielergruppe entsprechend angepasst. Bei Online-Rollenspielen ist es jedoch unverzichtbar, dass sich jeder an die Regelwerke hält. Das kommt daher, weil Online-Rollenspiele nicht ganz so flexibel sind durch ihren oben genannten Unterschied zu normalen Rollenspielen. Änderungen in Regelwerken für Online-Rollenspiele sind daher nur bedingt möglich, weil keine direkte Kommunikation zwischen den Spielern in einer Gruppe existiert.
Der Charakter
Hat man ein Online-Rollenspiel gefunden, das ihm gefällt, kann man nicht einfach drauf losspielen.
Als erstes muss man sich einen Charakter erstellen, den man innerhalb der Spielgruppe spielen möchte.
In vielen Rollenspielen ist das Erstellen eines Charakters Regeln unterworfen, die im Regelwerk festgelegt sind. Also sollte man sich, bevor man einen Charakter erstellt, die Regeln diesbezüglich gründlich durchlesen.
Ist dies erledigt, beginnt man zuerst ein Konzept des Charakters auf zu setzen und überlegt, was man überhaupt für einen Charakter haben b.z.w. spielen möchte. Zum Beispiel Name, Geschlecht, Alter, Aussehen, Eigenschaften, u.s.w..
Bei Online-Rollenspielen ist das Aussehen weniger wichtig, da man die Spieler ja nicht sehen kann und man nur extrem selten passende Bilder findet, die man auch benutzen darf.
Das einfachste ist das Auswählen eines Geschlechts (männlich/weiblich). Die meisten suchen sich für ihren Charakter das Geschlecht aus, dass dem des Spielers entspricht. Das Alter des Charakters sollte zu den Rollenspiel-Gegebenheiten passen.
Da das Namen-Aussuchen am schwierigsten ist, sollte man erst einmal mit den Charaktereigenschaften weitermachen: Was kann er? Was kann er nicht? Was mag er? Was hasst er? Wie verhält er sich? Wo kommt er her? Was für ein Typ ist er? Und so weiter.
Was Rollenspiele ausmachen, sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Charakteren. Allwissende Superwesen, die auf Anhieb alles perfekt können und jedes Problem mit einem Fingerschnippen lösen können, sind ein absolutes Tabu in jedem Rollenspiel.
Was Charaktere ausmachen und Rollenspiele interessant gestalten, sind die Marotten und Fehler eines Charakters. Wie auch im richtigen Leben. Wären alle Menschen gleich, wäre das Leben ziemlich langweilig.
Natürlich dürfen es nicht zu viele Marotten und Fehler sein. Die richtige Mischung findet man aber erst nach unermüdlichem ausprobieren und Erfahrung, daher sollte man bei der Erschaffung eines Charakters Platz und Raum für Weiterentwicklungen der Charaktereigenschaften lassen.
Optional kann man sich auch einen Prolog, oder auch Vorgeschichte, für den Charakter ausdenken in der beschrieben steht, wie und warum sein Charakter sich in diese Richtung entwickelt hat, u.s.w.. Der Prolog sollte natürlich passend zum Rollenspielrahmen sein.
Ist dies erledigt, kann man sich daran machen, einen passenden Namen aus zu suchen. Charakternamen bestehen in der Regel wie im richtigen Leben aus Vor- und Nachnamen, aber ansonsten ist der Fantasie hierbei keine Grenzen gesetzt.
Ist das Konzept fertig, kann man sich daran machen den Charakter den Regelwerken entsprechend zu erschaffen und im Rollenspiel los zu legen.
Das Spiel
Viele verwechseln Online-Chat-Rollenspiele mit Online-Rollenspielen wie World of Warcraft, Diablo II oder Legend – The Hand of God, in denen die Umgebungen und Personen durch aufwendige Grafiken und Software dargstellt werden. Chat- und Foren-Rollenspiele jedoch gehören noch zu den Rollenspielen der „alten Schule“, bei denen man sich alles noch mit der eigenen Fantasie vorstellen muss, ohne Hilfe von Software und 3D-Grafik.
Der Vorteil gegenüber den softwareunterstützten Rollenspielen ist, dass sich der Charakter des Spieler in jeder nur erdenklichen Richtung weiterentwickeln und verbessern kann. In fast allen PCGame-RPG’s ist das nicht möglich.
Daher ist es auch bei Chat- und Foren-Rollenspielen wichtig, dass man sich mit dem Rollenspielrahmen, zum Beispiel Vampire oder Science Fiction, wie Star Trek oder Stargate, etwas auskennt.
Das Prinzip ist in jedem Rollenspiel gleich: Man reagiert und agiert entsprechend seiner Charaktereigenschaften während des Spiels auf vorgegebene Situationen und Problemen
Das wichtigste ist hierbei die Anweisungen des Spielleiters entsprechend seines Charakters um zu setzen. Der Spielleiter ist derjenige, der die Rahmenbedingungen für ein Spiel mit der Gruppe vorgibt und das Spiel leitet. Natürlich kann man nicht nur stur den Anweisungen folgen. Die meisten Spielleiter lassen in ihren Gruppenspielen Raum für individuelle Reaktionen und Aktionen der einzelnen Charaktere. Das heißt, man kann seinen Charakter entsprechend den Eigenschaften auf vorgegebene Situationen des Spielleiters reagieren lassen. Ein absolutes Tabu ist jedoch, die vom Spielleiter vorgegebenen Situationen eigenmächtig zu ändern. Wenn der Spielleiter zum Beispiel sagt es findet gerade ein Erdbeben statt, kann man nicht einfach stattdessen sagen es würde regnen oder wenn der Spielleiter sagt das Kletterseil reißt und man reagiert nicht darauf, sprich man spielt so weiter als wäre es nicht gerissen. So etwas kann im schlimmsten Fall zum Ausschluss aus der Spielgruppe führen. Auch muss man die Reaktionen und Aktionen der Mitspieler mit einbeziehen. Man ist schließlich keine Ein-Spieler-Show.
Schlusswort
Es mag jetzt für Anfänger alles recht kompliziert und schwierig wirken, vielleicht sogar abschreckend. Aber bei jedem Spiel ist es eine Tatsache dass man nur durch ausprobieren, Fehler machen und eigenen Erfahrungen lernt, wie ein Spiel funktioniert. Wenn man sich nach den hier Beschriebenen Grundlagen richtet, ist man noch lange kein perfekter Rollenspieler. Aber es soll helfen erste Hindernisse zu überwinden. Moral von der Geschichte: Hört nicht auf Spott und Hohn erfahrener Spieler; sie haben genauso klein angefangen wie man selbst. Stellt Fragen, probiert aus und sammelt Erfahrungen. Nur so kommt man zu Erfolg im Rollenspiel.
(Verfasst von: Janice C. Benu)
